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Datum: |
20.06.2008 07:20:17 / newsbyteNews |
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Hintergrund:
Vor kurzem konnte sich die von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ausgeschlossene Sektion Graubünden über ein Versäumnis der SVP freuen: Diese hatte vergessen, sich den Domainnamen svp.tv zu registrieren. Eine Steilvorlage für die Graubündener. Sie starteten sogleich das „Internet-Fernsehen der liberalen SVP-Bewegung" mit einem der Gründungspartei zum Verwechseln ähnlichen Logo. Doch damit nicht genug: Seit dem 16. Juni steht ausserdem fest, dass die abtrünnige Bündner, Berner und Glarner SVP die Bürgerliche Partei Schweiz (BPS) gründen wird. Ein Detail wurde aber auch hier vergessen: Die Sicherung des passenden Domainnamens im Internet. Deshalb lacht nun der berühmte Dritte. Der Thuner Stadtrat der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP) Patric Bhend war schnell und hat die Domain bürgerlichepartei.ch registriert.
Peter Leuzinger, Geschäftsführer NetNames Schweiz und Experte für Domainnamen-Management und Online-Markenschutz, kommentiert die Geschehnisse:
„Unsere Parteien haben uns in den vergangenen Wochen gehörig auf Trab gehalten. Ich freue mich natürlich über die lebendige politische Landschaft in der Schweiz. Allerdings haben fast alle Lager Nachholbedarf, wenn es um einen professionellen Auftritt im Internet geht. Die richtige Ansprache von uns Bürgern scheint aufgrund der ausführlichen Beschäftigung mit den eigenen Belangen zu kurz zu kommen. Deshalb möchte ich zunächst die SVP informieren: Die lapidare Begründung, dass das Domain-Suffix .tv ja noch relativ neu sei, und die SVP deshalb versäumt habe, sich den Domainnamen svp.tv vor der ausgeschlossenen Sektion Graubünden zu sichern, ist nicht richtig. Denn die Inselgruppe Tuvalu übergab bereits im Jahr 2000 die ihm zugewiesene Länder-Domain .tv an den Internet-Provider DotTV - für 50 Millionen Dollar Lizenzgebühren. Einer rechtzeitigen Registrierung hätte also überhaupt nichts im Wege gestanden, und der peinliche Zwischenfall wäre nicht eingetreten.
Pikant sind aber auch die Domainnamen-Querelen im Zusammenhang mit der neu gegründeten Bürgerlichen Partei Schweiz (BPS). Da die Politiker nicht daran gedacht hatten, sich alle erdenklichen Varianten der Internet-Adresse zu sichern, ergriffen die Sozialdemokraten die Gelegenheit und registrierten sich den Domainnamen bürgerlichepartei.ch. Auch andere Möglichkeiten wie bürgerliche-partei.ch und buergerlichepartei.ch führen noch nicht zu Online-Auftritten der BPS. Selbst wenn User die Abkürzung bps.ch in ihren Webbrowser tippen, kommen sie nicht zum Ziel: Denn dies ist bereits die Webseite eines bekannten Schweizer Kreditinstituts.
Es ist offensichtlich, dass der Schutz des eigenen Namens im Internet weder für unsere alteingesessen noch für die neu gegründeten Parteien von Bedeutung ist. Einerseits ist es zwar beruhigend, dass sich Politiker eher mit Sachthemen auseinandersetzen. Andererseits verwirren diese Versäumnisse aber auch Bürger, die sich im Netz zu ihrer Partei informieren wollen und entweder bei der Konkurrenz oder im Internet-Nirgendwo landen. Ausserdem nutzen nicht nur politische Gegner solche Vorkommnisse, sondern auch Cyber- und Typosquatter. Cybersquatter sind Privatpersonen oder Unternehmen, die Domainnamen registrieren und dabei die Rechte des Markenbesitzers vorsätzlich verletzen. Die Übeltäter wollen den Namen zum Beispiel an den Markeninhaber zu einem überhöhten Preis verkaufen.
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