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Details:
Autor: |
claudia klemp |
Datum: |
05.07.2006 07:07:41 |
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Eine Grundüberzeugung der Wikiwelt ist es, dass im Verlauf des kollektiven kreativen Prozesses jedes nur erdenkliche Problem, das im Wiki auftaucht, Stück für Stück korrigiert werden wird. „Das entspricht dem unumstößlichen Vertrauen, das Ultraliberale in die Unfehlbarkeit des Marktes und Ultralinke in die Gerechtigkeit von Konsensprozessen haben. In all diesen Fällen waren die Ergebnisse bisher eher fragwürdig. Dazu kommt, dass Faktentreue allein noch keinen guten Text ausmacht. Ein Text muss mehr sein als eine Ansammlung fehlerfreier Referenzen, und zwar Ausdruck von Persönlichkeit“, schreibt der Computervisionär Jaron Lanier in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung http://www.sueddeutsche.de. Wikipedia sei allerdings nicht der einzige Fetisch für diesen stumpfen Kollektivismus. „Im Internet gibt es einen rasenden Wettkampf um die Position der ultimativen Meta-Seite. Jeder will das allerhöchste aller Aggregate sein, dem sich sämtliche andere Seiten unterordnen müssen“, so Lanier.
In den vergangenen zwei Jahren sei ein Trend erkennbar, jede Spur menschlicher Einflussnahme im Internet zu entfernen und den Eindruck entstehen zu lassen, dass die Inhalte aus dem Netz selbst kommen, als spräche das Web wie ein überirdisches Orakel zu uns. „Das ist der Punkt, an dem die Nutzung des Internets in den Wahnsinn abgleitet. Kevin Kelly, Gründer der Zeitschrift Wired, der die Webseite ‚Cool Tools’ betreibt, hat lange über das nachgedacht, was er den ‚Hive Mind’ nennt, den Schwarmgeist. Neulich besprach Kelly einige ‚Konsenswebfilter’ wie ‚Digg’, ‚Reddit’ und ‚Popur’", die täglich Material aus einer Unzahl anderer Seiten zusammenstellen. Da gibt es keine Person mehr, die das Material auswählt, nur einen Algorithmus“, führt Lanier weiter aus. Kevin Kelly komme zu dem Schluss, dass solche Seiten die beste Methode seien, um den Schwarmgeist zu beobachten, der fast immer dumm und langweilig sei. Der wahre Wert des Internets bestehe darin, dass es Menschen miteinander verbindet. „Wenn wir anfangen zu glauben, dass das Netz ein eigenständiges Wesen darstellt, reduzieren wir diese Menschen zur Wertlosigkeit und uns selbst zu Idioten“, warnt Lanier. Erschwerend komme hinzu, dass es für Menschen, die schreiben und denken, keine neuen Geschäftsmodelle gebe.
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