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Autor: |
Readers Edition / Sie sehen aus wie wandelnde Leichen! |
Datum: |
15.01.2007 21:10:40 |
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Momentan wird nahezu identisch auf den Internetplattformen von Spiegel und Stern über die Auswirkungen des exzessiven Konsums von Onlineinhalten berichtet. Grundlage ist ein AP Agenturbericht von Ayala Goldmann.
Bereits die Eingangspassage klingt dramatisch: “Sie sehen aus wie wandelnde Leichen”, sagt Psychologe Andreas Koch von der Berliner Caritas. Er meint so genannte Internet-Junkies, die täglich 10 bis 15 Stunden im Netz hängen - ohne ausreichend zu essen, zu trinken oder sich zu waschen. Viele von ihnen haben sich aus dem realen Leben weitestgehend verabschiedet. Anschluss gesperrt.
Leben im Netz?
Die in dem Bericht erwähnte Zahl von mehr als einer Million Menschen, die Zeichen einer Internetsucht zeigen, klingt kaum nachvollziehbar. In Suchtberatungsstellen wird jedoch schon lange festgestellt, dass das Netz der Möglichkeiten für immer mehr Menschen zum Ort, des Austausches von Erfahrungen und Emotionen wird. Man kann sich in “realtime” - dieser Begriff ist schon fast als Obszönität einzuordnen - an vielen Orten aufhalten, sich eine neue Identität “erfinden” und mit Hilfe neuer Techniken in Gruppenstrukturen versammeln.
Die Kolonialisierung der Lebenswelt durch Bits und Bytes wird für einige allerdings auch zur Falle. Welcher Nutzer des Netzes hat an sich nicht schon Symptome erkannt, oder hat Freunde oder Bekannte, die immer mehr Zeit mit glasigen Augen vor dem Bildschirm verbringen?
Bei Jugendlichen ist der Missbrauch von Medien in vielfältigster Form schon lange ein Thema. Aber auch Erwachsene, insbesondere in Lebens- uns Sinnkrisen, wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder einfach dem allgemeinen Trend der Vereinsamung unterliegend, verfallen der suggestiven Kraft des Netzes. Einfach abtauchen, sich soziale Bestätigung und “Freunde” im Netz suchen, wenn der Alltag gar zu grausam erscheint.
Man könnte fragen – ist das wirklich ein Ersatz? Ein Ersatz für die Emotionen und Erfahrungen, die man mit “wirklichen” Menschen austauschen kann? Ist ein intensiver Blick in der realen Welt nicht um einiges substanzieller, handelt es sich um einen geliebten Menschen auch befriedigender und mitunter auch ehrlicher (als etwa ein schnell geklicktes “emoticon”)? Oder ist es nicht doch eher eine Ersatzbefriedigung und ein Mittel Frustrationen zu kompensieren?
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