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Krypto 2020; Aussichten für langfristige kryptographische Sicherheit

Krypto-Schlüsseln und -Algorithmen droht Gefahr durch die fortschreitende Entwicklung leistungsfähiger Hardware und neuer mathematischer Verfahren. Wie lange können die heutigen Verfahren noch halten, was sie versprechen?

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Autor: 

Johannes Buchmann, Erik Dahmen, Alexander May und Ulrich Vollmer, Darmstadt / Krypto 2020; Aussichten für langfristige kryptographische Sicherheit

Datum: 

18.10.2006 18:29:41


Lenstra und Verheul entwickelten 2000 eine Extrapolationsformel zur Voraussage der Sicherheit von RSA und anderen wichtigen kryptographischen Verfahren (vgl. www.keylength.com). Dieser Formel zufolge muss man derzeit schon 850-stellige RSA-Moduln verwenden, um Sicherheit für die nächsten dreißig Jahre zu gewährleisten (entspr. ca. 3072-Bit-RSA-Schlüsseln).

Aber auch eine solche Extrapolationsformel ist keine Sicherheitsgarantie! Brillante mathematische Ideen könnten jederzeit dazu führen, dass das Lösen des Faktorisierungsproblems "leicht" und RSA damit generell unbrauchbar wird. So bewies beispielsweise Peter Shor 1996, dass ein Quantencomputer – ein neuer Computertyp, der die Gesetze der Quantenmechanik ausnutzt – große Zahlen sehr schnell faktorisieren könnte. Trotz intensiver Forschungsbemühungen ist es aber auch heute noch unklar, ob sich jemals hinreichend leistungsfähige Quantencomputer bauen lassen.

Analog zu RSA verläuft die Entwicklung bei Angriffen auf die meistverwendeten Public-Key-Alternativen: den Digital Signature Algorithm (DSA) und Elliptic Curve Cryptography (ECC), die beide auf der Schwierigkeit der Berechnung diskreter Logarithmen beruhen. Es gibt schon heute deutliche algorithmische Fortschritte und Quantencomputer würden diese Verfahren ebenfalls unsicher machen.

Wie steht es um die langfristige Sicherheit von so genannten Secret-Key-Verschlüsselungsverfahren? DES wurde 1977 als Data Encryption Standard eingeführt – 21 Jahre später stellte die Electronic Frontier Foundation (EFF) den Spezialcomputer Deep Crack vor, der DES in 56 Stunden brechen konnte. Das Problem von DES war die zu kurz gewählte Schlüssellänge: Offenbar hatten seine Erfinder die rasante Entwicklung bei der Hardware nicht richtig einkalkuliert. Der DES-Nachfolger Advanced Encryption Standard (AES) gilt heute als sicher, wenngleich interessante Angriffsversuche mit algebraischen Methoden existieren.

Vorsorge für morgen
Ist die heutige Kryptographie angesichts ihrer wachsenden Bedeutung noch sicher genug? Die Erfahrung zeigt: Sorgfältig konzipierte und implementierte kryptographische Verfahren haben eine Lebensdauer von 5 bis 20 Jahren. Wer heute RSA, ECC oder AES zur kurzfristigen Absicherung verwendet, darf sich sicher fühlen. Und langfristige Verbindlichkeit lässt sich beispielsweise mit den von Jan Sönke Maseberg vorgeschlagenen multiplen Signaturen lösen.

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